19.06.2019, 16-18 Uhr Was wir über das globale Artensterben wissen – und was nicht

apl. Prof. Dr. Axel Hochkirch
Universität Trier
Fach Biogeographie

Das globale Artensterben ist ein zentrales Problem der modernen Menschheit. Das ständige Wachstum der Bevölkerung und der Überkonsum von Nahrung und Produkten in den Industrienationen führt zu massiven Veränderungen von Lebensräumen durch intensive Landnutzung (Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Urbanisierung, Straßenbau, Bergbau), Verbreitung invasiver Tier- und Pflanzenarten, Umweltverschmutzung (insbesondere von Gewässern und Böden), Übernutzung von Tier- und Pflanzenarten sowie Veränderungen des Klimas. Die jährliche Aussterberate wird auf 11.000 bis 36.000 Arten pro Jahr geschätzt (also mindestens eine Art pro Stunde). Da bislang nur maximal 20% aller auf der Erde vorkommenden Arten wissenschaftlich beschrieben sind, handelt es sich bei den meisten Arten um bislang vollständig unbekannte Arten. Zudem beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um Insekten handelt 90%. Unsere Unkenntnis bezüglich des Status der biologischen Vielfalt der Erde verhindert, und gerade des Status von Insekten, verhindert die Implementierung effizienter Naturschutzmaßnahmen. Ziel des „Trier Centre for Invertebrate Biodiversity Conservation“ ist diese Wissenslücken zu schließen und Strategien für den Schutz der artenreichen Gruppen der Insekten und anderer wirbelloser Tiere zu entwickeln.

Kurzvita:
apl. Prof. Dr. Axel Hochkirch studierte Biologie in Bremen und habilitierte an der Universität Osnabrück. Seit 2008 ist er Laborleiter im Fach Biogeographie an der Universität Trier. Axel Hochkirch ist Vorsitzender des IUCN SSC Invertebrate Conservation Committee und der IUCN SSC Grasshopper Specialist Group. Er erforscht die Entstehung der Biodiversität, die ökologischen Mechanismen ihrer Aufrechterhaltung und Strategien zu ihrem Schutz.

Links:

  1. Hochkirch A. (2016) The insect crisis we can’t ignore. Nature 359: 141
  2. Wagner N., Hochkirch A., Martin H., Matenaar D., Rohde K., Wacht F., Wesch C., Wirtz S., Klein R., Lötters S., Proelss A., Veith M. (2017) De-extinction, nomenclature, and the law. Science 356: 1016-1017
  3. Dijkstra K.-D. B., Schrama M.J.J., Gorsich E.E., Hochkirch A. (2018) “Deadly mosquito” or “living freshwater”? Science 361:341
  4. Hochkirch A., Beninde J., Fischer M., Krahner A., Lindemann C., Matenaar D., Rohde K., Wagner N., Wesch C., Wirtz S., Zink A., Lötters S., Proelss A., Veith M. (2018) License to Kill? – Disease eradication programs may not be in line with the Convention on Biological Diversity. Conservation Letters 11: 1-6

https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299
https://tribico.jimdo.com/

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