Vertrauen in die Wissenschaft – eine zentrale Ressource für die Bewältigung gesellschaftlicher Krisen

Mittwoch, 12.05.2021
16:00 – 18:00 Uhr

Prof. Dr. Martin K.W. Schweer
AB Pädagogische Psychologie, Zentrum für Vertrauensforschung, Universität Vechta

Im Kontext einer komplexer werdenden Welt steigt die Bedeutung von Vertrauen für das zwischenmenschliche Miteinander insgesamt, dies also auch hinsichtlich zentraler gesellschaftlicher Institutionen und Prozesse. Dem Kontext der Wissenschaft kommt dabei eine besondere Verantwortung zu, mit den teilweise streitbaren Thesen und widersprüchlichen, sich im stetigen Wandel begriffenen Erkenntnissen zur Bewältigung aktueller Herausforderungen beizutragen. Hierzu zählen die so genannten Transformationsprozesse (u.a. Digitalisierung, Globalisierung, Klimawandel, Nachhaltigkeit), für welche die wissenschaftliche Expertise Basis für individuelle und kollektive Entscheidungsprozesse sein kann, so etwa bei Fragen eines nachhaltigen Konsumsverhaltens innerhalb der Bevölkerung. Aber auch in der aktuellen Corona-Pandemie lässt sich der Stellenwert der Wissenschaft tagtäglich in den Medien beobachten, ebenso die oftmals schwierige Rolle im Ausloten realisierbarer Wege aus der Krise. Steigen Ungewissheiten und Verunsicherungen an, so stellt gerade Vertrauen ein zentrales Fundament dar, um offen zu sein für neue Informationen und kontroverse Haltungen sowie für damit verbundene Handlungs- und Gestaltungsoptionen. Mit einer zunehmenden Tendenz zum Misstrauen steigt die Wahrscheinlichkeit, sich auf vermeintlich einfache, sicherheitsspendende Botschaften einzulassen. Insofern stellt die Wissenschaft im Zuge dieser Vertrauens- und Misstrauensdynamiken einen exponierten Anker der Wahrnehmung dar: Sie kann einerseits mit ihren Erkenntnissen zur Gewinnung von Handlungssicherheit beitragen, sie muss sich andererseits davor schützen, allzu einseitig vereinnahmt und instrumentalisiert zu werden. Für ein möglichst umfassendes, aktives „Mitnehmen“ großer Teile der Bevölkerung benötigt es vertrauenswürdige Persönlichkeiten in einem vertrauenswürdigen System mit einem echten Bemühen um Transparenz, Glaubwürdigkeit und Authentizität. Der Vortrag befasst sich vor diesem Hintergrund mit den diesbezüglichen psychologischen Mechanismen der Vertrauensentwicklung und den Konsequenzen für den Stellenwert von Wissenschaft in fragilen Zeiten.

Prof. Dr. Martin K.W. Schweer
Professor Dr. Martin K.W. Schweer leitet seit 1998 den AB Pädagogische Psychologie und das angegliederte Zentrum für Vertrauensforschung (ZfV) sowie die angegliederte Arbeitsstelle für sportpsychologische Beratung und Betreuung Challenges an der Universität Vechta.

Seine zentralen Forschungs- und Beratungsschwerpunkte sind:

  • soziale Wahrnehmung und interpersonales Verhalten in schulischen und außerschulischen Handlungsfeldern
  • Vertrauen, Loyalität und soziale Verantwortung
  • soziale Ungleichheit, Stereotypisierung und Diskriminierung
  • Organisations- und Personalentwicklung, Organisationskultur und Führung
  • sportpsychologische Beratung und Betreuung

Zu seinen Arbeitsschwerpunkten finden Sie vielfältige fachwissenschaftliche Publikationen, er verfügt über langjährige Erfahrung in der Beratung und Betreuung von Organisationen, weist zahlreiche Tätigkeiten als Gutachter sowie als Dozent auf und initiiert regelmäßig Veranstaltungen im Bereich des Wissenschaftstransfers, etwa die seit 2019 in jedem Semester stattfindende Vortragsreihe vechtaer trust lectures.

aktuelle Forschungsprojekte:
zahlreiche Forschungsprojekte wie „VeroNa – Vertrauensentwicklung als Instrument der organisationalen Nachhaltigkeitskommunikation“ (gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt)

weitere Infos:
https://www.uni-vechta.de/paedagogische-psychologie/prof-dr-martin-kw-schweer/